A L P R Ä U M E _ S W I T Z E R L A N D 2017 _ WEB RELAUNCH AT 1. 01. 2018

REPRÄSENTANZ ART IDENTITY MÜNCHEN_JÜRGEN KRIEGER_ SHOWROOM IM CLASSICON MÜNCHEN_NEUE PHOTOARBEITEN WERDEN Z.ZT. PROGRAMMIERT .

Das Erwachen der Fotografie: Tagträume werden Bild / Prof. Dr. Martin Roman Deppner

Der erste Augenaufschlag, der erste Blick: Das Außen konstituiert sich im Auge als ein Gegenüber aus Licht und Schatten, Umrissen und Strukturen, Gegenständen, Farben und Bewegungsimpulsen. Kann ein Foto Zeuge eines solchen Erlebnisses sein? Der im Foto festgehaltene Moment stellt eine Einmaligkeit da. Jeder erlebte Augenblick geht vorüber, das Foto aber, legt Zeugnis darüber ab, was durch das Objektiv der Kamera gesehen wurde. Das gilt für jeden fotografischen Akt; dieser wird dann zu etwas Besonderem, wenn die Eigenschaft des Fotografierens, ihre Kraft, die Einmaligkeit Bild werden zu lassen, den Blick des Fotografen leitet. Im Bewusstsein, einmalig erlebte Momente im Bild festhalten zu können, diese stets erneut wie einen ersten Augenaufschlag, wie einen ersten Blick als ein Ereignis der Wahrnehmung zu adeln, ist der fotografischen Kunst von Olaf Steinkühler eingeschrieben. Seine ins Bildgesetzten Lichtspuren verfolgen dieses Ziel nicht alleine durch das eigene Staunen über das Erlebte als Vorbotin zu einem Bildereignis mit suggestiver Kraft. Ihre Ausstrahlung gewinnen die Fotografien der ziehenden Wolken, Lichtspiegelungen und Meereswogen durch die dem Augenblick entgegen gesetzte Anmutung des Vorübergehenden. In dieser Zusammenführung liegt jene Kraft der Zwischenbildlichkeit, die sich nicht allein aus der Motivwahl ergibt, sondern aus der Haltung des Fotografens, dem ersten Augenaufschlag, dem ersten Blick auf die Welt seine Einmaligkeit erhalten zu wollen und in jedem Foto neu zur Anschauung zu bringen.

Olaf Steinkühler geht diesen Anschauungskonstellationen, die er selbst Tagtraum-Momente nennt, in seinen Arbeiten nach und hat sie als „Moment zwischen zwei Gedanken“ bezeichnet. Das Unbewusste erfährt so die Möglichkeit, den Blick zu lenken. Das Auge erlebt sich als Einfallstor der Außendaten und als Fenster zur Welt zugleich, eine Schwelle, an der sich Innenrepräsentation und Außenrepräsentation begegnen. Ein Mensch geht vorüber, ein Unbekannter, ein Fremder, ein Anderer, wie die Wolken und das Licht. Olaf Steinkühler versetzt sich in einen Zustand, der die Perspektive des Rückbesinnens auf die Erfahrbarkeit der Welt mit allen Sinnen einnimmt. Was ihm wichtig ist, ist der Reflex des oft Übersehenen, der Anfang des Erkennens: Der Wahrnehmende wirft den Blick auf dasq Außerhalb seiner Befindlichkeit, auf das durch die eigene Haut getrennte, auf eine Handlung, auf einen Ausschnitt. Was seine Sinne zu stimulieren vermag und seine Aufmerksamkeit erregt, ist der flüchtigen Zeit unterworfen. Alles wird Prozess, Fortleitung, Flucht, dem auch das wahrnehmende Ich - als Teil einer alles durchflutenden Bewegung des Lebens - sich nicht entziehen kann. Kaum hat der Reflex des Auges stattgefunden, werden neurologische Potenzen in Bewegung gesetzt, treten die verkabelten Sinne auf den Plan und ordnen mit Hilfe gespeicherter Daten das Wahrgenommene. Es ist das Vermögen, im Prozeß des Verschwindens Haltestellen des Verweilens einzulagern, Erinnerung auf Zeit, Fragmente des Erlebens, denen das Vergessen beigefügt ist aber auch jener Zwischenzustand, dem unbewusste, verdrängte Erfahrungssplitter beigemengt werden können.